Ohne Beratungsgespräch keine ästhetischen OPs
04.03.2010
Stellungnahme Univ. Doz. Helmut Hoflehner
Präsident der ÖGPÄRC und
Stellvertretender Leiter der Schwarzl Tagesklinik
„Mündige PatientInnen erachten ein verpflichtendes psychologisches Beratungsgespräch als Bevormundung“, erklärt Univ.Doz. Dr. Helmut Hoflehner, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie (ÖGPÄRC) und weist damit die Forderungen nach einem gesetzlich verpflichtenden psychologischen Gespräch, als unwürdig zurück.
Fundierte Beratungsgespräche sind unverzichtbarer Bestandteil jedes seriösen medizinischen Eingriffs – so auch bei ästhetischen Operationen. In diesen Gesprächen wird der geplante Eingriff umfassend skizziert, die speziellen individuellen Gegebenheiten geprüft und alle wägbaren Risiken abgeklärt. Das gibt der ÄrztIn wie der PatientIn Sicherheit, beugt Fehlentscheidungen und unrealistischen Erwartungen vor und trägt damit zur Patientenzufriedenheit bei. Die Mitglieder der ÖGPÄRC betrachten fundierte Aufklärungsgespräche daher als grundlegende Voraussetzung für jeden Eingriff. Ohne ausführliches Beratungsgespräch erfolgt somit keine ästhetische OP.
Mündige PatientIn durch Entscheidungsfreiheit
Hält man sich an die bestehenden Standards, sind durch die gängige Praxis die Sicherheit und das Wohl der PatientInnen ausreichend gewährleistet. Verpflichtende psychologische Gutachten im Vorfeld eines ästhetischen Eingriffs sind aus Sicht der ÖGPÄRC daher nicht nötig. Im Gegenteil: Die PatientInnen werden dadurch, dass Entscheidungen von anderen vorweggenommen werden, der Möglichkeit beraubt, selbst über ihre Körper und ihre Wünsche zu bestimmen. „Dies wäre ein Schritt weg von der mündigen zur unmündigen Patientin und widerspricht in mehreren Punkten den Grundsätzen der medizinischen Ethik und zwar in der Wahrung der Menschenwürde und im Recht aus Selbstbestimmung“ so Doz. Hoflehner. Für die Patienten würde ein ästhetischer Eingriff zum Spießrutenlauf werden. Selbst für Kinder sei diese Forderung völlig unangebracht. „Sollen Eltern ihre Kinder, die im Kindergarten ständig wegen Ihrer Dumbo Ohren gehänselt werden, jetzt zum Psychologen bringen, wo doch jedermann sieht wo das Problem liegt? Natürlich gibt es Ausnahmen und schwierige Fälle, wo wir die Hilfe eines Psychiaters oder Psychologen gerne in Anspruch nehmen“, meint der Präsident der Gesellschaft.
Die Forderung des Gesundheitsministers, verpflichtende Beratungsgespräche bei PsychologInnen oder PsychotherapeutInnen einzuführen, wirft einige Fragen auf, die überaus diskussionswürdig sind. Neben der bereits angesprochenen Gefahr der Entmündigung von Patienten durch den Gesetzgeber ist auch die Frage der Finanzierung der Beratungsgespräche ein relevanter Punkt. Doz. Hoflehner dazu: „Wer würde im Fall der Einführung der verpflichtenden Beratungsgespräche die Kosten dafür zu tragen haben“?
ÖGPÄRC: Psychologische Schulung verpflichtend
Psychologisches Wissen ist bei jedem Beratungsgespräch im Vorfeld einer OP wichtig, weshalb diese Themen schon immer bei Aus- und Fortbildungsveranstaltungen der Österreichischen Gesellschaft für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie (ÖGPÄRC) behandelt wurden. Diese psychologische Ausbildung wurde jetzt vertieft und ist verpflichtend im Ausbildungskurrikulum enthalten. In komplexen Fällen wird auf die Expertise von PsychologInnen oder PsychotherapeutInnen zurückgegriffen und diese zu den Aufklärungsgesprächen zugezogen.
Service-Hotline: Beratung steht im Vordergrund
„Selbst das beste Beratungsgespräch und die beste psychologische Aufklärung können nicht verhindern, dass es auch Patienten gibt, die mit dem Ergebnis unzufrieden sind. Daher hat die ÖGPÄRC eine Service-Hotline, die es nun seit sechs Jahren gibt, eingerichtet, die verunsicherten Patienten, die nach einem ästhetisch-chirurgischen Eingriff mit dem Ergebnis unzufrieden waren, die Möglichkeit des unentgeltlichen Beratungsgespräches gibt“, erläutert Doz. Hoflehner, der seit Jahren auch Leiter dieses Projektes ist. Die Statistik 2009 hat ergeben, dass bei rund 40% der beanstandeten Fälle völlig normale bis sehr gute Ergebnisse vorlagen, der Patient sich lediglich „anderes“ erwartet hatte. Hoflehner wertet auch dies als weiteren Hinweis auf die Wichtigkeit der umfassenden Beratung der PatientInnen. Durchschnittlich wenden sich pro Jahr ca. 70 PatientInnen an die Service-Hotline, wovon wiederum im Schnitt 24 Patienten pro Jahr auch wirklich das Antragsformular um ein Beratungsgespräch ausfüllen. Bezogen auf jährlich geschätzte 40000 Operationen in Österreich entspricht dies lediglich 0,06 % an Beanstandungsfällen. Es kann daher generell von einem sehr hohen Standard ästhetischer Operationen in Österreich ausgegangen werden. Zu den häufigsten Eingriffen in Österreich zählen Fettabsaugungen. Wirkliche Problemfälle werden in der Regel von unerfahrenen Ärzten verursacht, z.B. extreme Vernarbungen im Gesicht nach einem Peeling.
Österreichische Gesellschaft für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie
Die Österreichische Gesellschaft für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie ist die standespolitische Vertretung der Fachärzte für Plastische Chirurgie.
Alle ordentlichen Mitglieder der Österreichischen Gesellschaft für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie haben eine spezielle sechs-jährige Ausbildung erfolgreich abgeschlossen und sind daher seriöse Ansprechpartner auf dem Gebiet der plastischen Chirurgie.
ÖGPÄRC
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