Neueste Technik der Hautrekonstruktion
01.02.2010
Verbrennungen schmerzen, wenn sie passieren. In manchen Fällen können sie tief unter die Haut gehen und wichtige Funktionen der Haut für immer zerstören, wenn die Wunden nicht rasch und professionell von Experten versorgt werden. Auch eventuell zurückbleibende Narben können das Leben der Betroffenen stark beeinträchtigen. Neben den optischen Auswirkungen kann es auch zu massiven Funktionsstörungen etwa im Bereich der Gelenke kommen. Um Menschen, deren Haut durch Verbrennungen und Unfälle mit Säuren oder anderen Substanzen großflächig zerstört wurde, besser helfen zu können, wurde nun an der Medizinischen Universität Wien von Plastischen Chirurgen ein innovatives Verfahren entwickelt, das die Versorgung und Therapie dieser Wunden entscheidend verbessert.
Innovativer Hautersatz in Labor erprobt
Bei sehr großen Verletzungen, die mehr als 60 Prozent der Hautoberfläche betreffen, besteht der Bedarf nach einem raschen Wundverschluss. Da in diesen Fällen unverletzte Haut kostbar und rar ist, wird in den Labors bereits an einem neuen körpereigenen Hautersatz gearbeitet. Dazu wird ein kleines Stück Haut des Patienten in seine Bestandteile zerlegt und bestimmte Zellen daraus isoliert. Diese werden im Labor vermehrt und dann auf ein dreidimensionales Kollagen Gerüst aufgebracht. Während die Zellen dieses Gerüst besiedeln, werden an der Unterseite Fettzellen angelegt, so dass nach drei bis vier Wochen ein Hautersatz entsteht, der im Aussehen und in der Funktion normaler Haut noch mehr ähnelt und zusätzlich noch besser deren Funktion übernehmen kann.
Univ. Doz. Dr. Lars-Peter Kamolz, Plastischer Chirurg am Zentrum für Schwerbrandverletzte, Abteilung für Plastische und Rekonstruktive Chirurgie (Leiter: Univ. Prof. Dr. Manfred Frey) im AKH Wien, Medizinische Universität Wien, Experte auf dem Gebiet der Brandverletzten-Behandlung und Mitglied der Österreichschen Gesellschaft für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie (ÖGPÄRC) dazu: „Bis dieses Konstrukt routinemäßig zum Einsatz kommen wird, wird zwar noch etwas Zeit vergehen. Die Schritte, die vor uns liegen, sind aber deutlich weniger als diejenigen, die wir bereits hinter uns gebracht haben.“
Das Leben zurück bekommen
Prof. Frey dazu: „Wir arbeiten seit Jahren an der Entwicklung und Verbesserung von Techniken mit denen menschliche Haut rekonstruiert werden kann. Der facettenreiche medizinische Fortschritt hat dazu geführt, dass heute bei der Behandlung von schweren Brandverletzungen nicht mehr das Überleben allein zählt. Wesentliche Bedeutung hat für uns auch die wiedererlangte Lebensqualität und die Wiederherstellung von Funktionalität und Ästhetik der verletzten Körperstellen.“ Dadurch erhalten die Betroffenen die Möglichkeit, ihr soziales Leben weiterzuführen.
Kombinierte Hautrekonstruktion liefert rasch effektiven Hautersatz
Am Brandverletzten-Zentrum an der Universitätsklinik für Chrirurgie Wien arbeiten Experten, die diese innovativen Operationstechniken beherrschen und modernste chirurgische Verfahren, wie die Züchtung menschlicher Haut (Tissue-Engineering) für die Deckung von großen Hautdefekten, anwenden. Der Bereich des Tissue-Engineering und dessen klinische Anwendung im Rahmen der Plastisch- Rekonstruktiven Chirurgie stellen heute einen Schlüsselpunkt in der Behandlung von schweren Verbrennungen und anderen Hautdefekten dar.
Am AKH Wien wird hierzu häufig eine kombinierte Rekonstruktion der Haut durchgeführt. Dabei kommt eine dermale kollagene Matrix in Kombination mit einem dünnen körpereigenen Hauttransplant zum Einsatz. Diese kombinierte Transplantation führt zu verbesserter Elastizität und Funktionalität und zu einem natürlicheren Aussehen der rekonstruierten Haut. Mit diesem Verfahren wurde zum Beispiel die Rekonstruktion des Gesichts von Katie Piper, die nach einer Säureattacke schwerste Verletzungen an Gesicht und Oberkörper erlitten hatte, durchgeführt. Die Kollagenmatrix dient hierbei dem körpereigenen Gewebe als Gerüst zum Einsprossen; dadurch kommt es zu einer geordneten Neubildung von körpereigenem Gewebe und zur Ausbildung einer natürlicheren Haut. Die Kollagenmatrix wird im Laufe der Zeit komplett durch körpereigenes Gewebe ersetzt; „übrig“ bleibt eine Haut, die der unverletzten Haut hinsichtlich Elastizität noch mehr entspricht.
Österreichische Gesellschaft für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie
Die Österreichische Gesellschaft für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie ist die standespolitische Vertretung der Fachärzte für Plastische Chirurgie. Alle ordentlichen Mitglieder der Österreichischen Gesellschaft für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie haben eine spezielle sechsjährige Ausbildung erfolgreich abgeschlossen und sind daher seriöse Ansprechpartner auf dem Gebiet der plastischen Chirurgie.
Für Presserückfragen stehen wir gerne zur Verfügung
Fischill PR
Kochgasse 4
1080 Wien
Tel. 01/408 68 24-11
Fax. 01/408 68 24-14
office@fischill.at
http://www.fischill.at
